Lesungen 2018

Krefelds 2015 mit dem Gütesiegel des Deutschen Buchhandlungspreises ausgezeichnete „hervorragende Buchhandlung“ DER ANDERE BUCHLADEN wurde im Mai 40 Jahre alt. 13 an Literatur und Gesellschaftspolitik Interessierte gründeten sie im Mai 1978 als „Вuchladen am Schinkenplatz“ in einer Situation des kulturellen und gesellschaftlichen Aufbruchs. Der andere Buchladen ist bis heute durch sein vielseitiges wie ambitioniertes Bücherangebot und seine nun 40- jährige Präsentation von Autorenlesungen bekannt. So wird auch das Jubiläum hauptsächlich durch auf das kommende Jahr verteilte Autorenlesungen gefeiert.

Donnerstag, 25. Oktober , 19³° Uhr
Heike Rittel und Jürgen Karwelat: „Lasst uns reden: Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad“ Südbahnhof,  Saumstraße 9,   5 €,  Eine Veranstaltung des anderen Buchladens in Zusammenarbeit mit amnesty international und dem Werkhaus      

Es bedurfte eines Thrillers mit Emma Watson und Daniel Brühl - "Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück" - um eine der unrühmlichen Geschichten der deutschen Politik einem breiteren Publikum nahezubringen.

Westdeutschland in den 1960er Jahren: Laienprediger Paul Schäfer schart eine sektenähnliche Gruppe um sich und bringt viele Erwachsene und fast zweihundert Kinder ins chilenische Ausland. Dort gründet er die Colonia Dignidad ("Kolonie Würde"), in der die betroffenen Kinder über Jahrzehnte sexuell und - wie die erwachsenen Sektenmitglieder - als Arbeitssklaven missbraucht werden. Später geraten auch zahlreiche chilenische Kinder in die Fänge Schäfers. Die Sekte stellt sich nach dem Putsch im Jahre 1973 auch in den Dienst der Pinochet-Diktatur. Gemeinsam mit dem Geheimdienst DINA    werden hier chilenische Oppositionelle eingesperrt, gefoltert und getötet. Erst die allmähliche Demokratisierung Chiles schafft die Bedingungen, dem Ganzen ein Ende zu setzen. Zurück bleiben hunderte Menschen, geprägt durch Betrug und Unterdrückung in unvergleichlichem Ausmaß.

Heike Rittel hat sich auf die Spur der Frauen dieser ehemaligen Sekte begeben, deren Schicksal bisher wenig oder gar nicht im Fokus    der öffentlichen Betrachtung stand. Sie befragte Frauen    verschiedenster Generationen: Deutsche, die während oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland geboren worden waren und als Erwachsene freiwillig nach Chile gingen, Chileninnen, die als Baby    oder Kleinkinder in die Kolonie kamen sowie Töchter von Deutschen, die in das System hineingeboren wurden. Sehr persönliche Schicksale mit ganz unterschiedlichen Überlebensstrategien und Formen der Vergangenheitsbewältigung.

Die ausführliche Einleitung von Jürgen Karwelat stellt die Protokolle in den zeithistorischen Zusammenhang. Die eindrucksvollen Fotos des Fotografen und Kameramannes Andreas Höfer erwecken die Protokolle emotional zum Leben und lassen hinter den Gesichtern erkennen, dass Menschlichkeit selbst unter extremen Diktaturen nicht auslöschbar ist.

Was den Fall der Colonia Dignidad so erschütternd macht: Die Deutsche Botschaft in Chile und damit das Auswärtige Amt, letztlich also der westdeutsche Staat, hatten jahrzehntelang mit der Colonia Dignidad zusammengearbeitet und das Treiben geduldet, obwohl ai schon seit 1977 informierte . Dies und jahrzehntelange Klüngeleien mit der CSU sowie die Zusammenarbeit mit dem BND sind immer noch    nicht aufgearbeitet.

Der Arzt und ehemalige Assistent Paul Schäfers Hartmut Hopp lebt, wie einige seiner Opfer, in Krefeld. In Chile wegen Beihilfe zum Kindesmissbrauch und zur Freiheitsberaubung zu fünf Jahren Haft verurteilt, ist er weiter auf freiem Fuß.  

Der frühere Arzt der berüchtigten Sekte "Colonia Dignidad" in Chile muss nicht ins Gefängnis. Der 3. Strafsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf (OLG) hat – im Gegensatz zum Landgericht Krefeld - entschieden, dass chilenische Strafurteile gegen Hartmut Hopp in Deutschland nicht vollstreckt werden können. Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) bezeichnete in einer Mitteilung die Entscheidung des Gerichts als "Schlag ins Gesicht der Opfer".

Und die um ihre Kindheit und Jugend Betrogenen warten bis heute auf eine Entschuldigung und Entschädigungsleistungen des Auswärtigen Amtes, obwohl  eine überparteiliche Bundestagskommission anmahnte, den Prozess zur Aufarbeitung der grausamen Ereignisse voranzutreiben und einen Hilfsfonds einzurichten.

Ein wichtiges Buch, nicht zuletzt wegen erschreckend aktueller Fragen: Was erzeugt in Menschen die Bereitschaft, ihre Selbstbestimmung aufzugeben, um dem Ruf irgendwelcher "Führer" zu folgen?

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