Buchbesprechungen 2019


Die folgenden Besprechungen wurden uns zur Verfügung gestellt von Brigitte Tietzel, der früheren Leiterin des Deutschen Textilmuseums in Linn.

Karen Duve, Fräulein Nettes kurzer Sommer

Selten war ich bei der Lektüre eines Romans so froh, im 21. Jahrhundert zu leben. Um 1820 muss das Leben für Frauen eine Hölle aus Stumpfsinn und Langeweile gewesen sein. Wenigstens in den hier beschriebenen adeligen Kreisen, die die Welt der Annette von Droste-Hülshoff ausmachten. Geradezu körperlich spürt man die grenzenlose Borniertheit einer Gesellschaft, die von Mädchen und Frauen verlangte, sittsam herumzusitzen, den Kopf bescheiden über eine Handarbeit gebeugt. Sie sollten möglichst weder klug noch interessant sein, oder es sich zumindest nicht anmerken lassen. Sie sollten sich nicht in Männergespräche einmischen, nicht die Stimme erheben und sich in allem zurückhalten. Nette  dagegen war genau das, was sie nicht hätte sein sollen und nicht hätte sein dürfen: gescheit, neugierig, vorlaut und von naiver Offenheit gegenüber jedermann. Und sie hasste Handarbeiten. Außerdem schrieb sie Gedichte und anderes dummes Zeug. Mit einem Wort: Sie war unmöglich.Und trotzdem oder gerade deswegen bemühten sich in jenem Sommer, 1820, die Männer um sie und nicht etwa um ihre fast gleichaltrigen, viel hübscheren  Tanten Haxthausen. Zum allgemein männlichen Dünkel kamen in der damaligen Zeit noch der religiöse und der des Adels hinzu. Ein Bewerber durfte weder die falsche Religion haben noch etwa bürgerlich sein.Gänzlich unbekümmert um all das wendet sich Annette einem gewissen Straube zu, einem bürgerlicher Freund ihres Onkels August, der diesen aus seinen Göttinger Studentenkreisen kennt und finanziell unterstützt, weil er ihn für ein Genie hält. Annette ist klug genug, diese Einschätzung nicht zu teilen. Aber Straube ist der einzige Mensch, der ihre Gedichte ernst nimmt, sie sogar schätzt. Mit Straube kann Nette ohne Scheu ihren Gedanken Ausdruck verleihen und wird verstanden, mit Straube kann sie ganz und gar sie selbst sein. Eine tiefe Zuneigung entsteht, die aber niemand erst nimmt, weil eine solche Mesalliance einfach gar nicht möglich ist. Als ein weiterer Freund des Onkels, der adelige Arnswaldt, ein bigotter Intrigant, Nette, die er vorgibt zu verachten, den Hof macht und abgewiesen wird, schürt dieser Mensch Gerüchte, die fatale Folgen haben. Der lange angestaute Groll der Verwandtschaft über diese so unangepasste Person kann sich endlich entladen. Dem grenzenlosen Hass, der über Nette hereinbricht, hat sie nichts entgegenzusetzen, da ihre Erziehung sie dazu bringt, sich schuldig zu fühlen, auch wenn gar nichts passiert ist. Das aber genügt nicht, auch der Ruf muss untadelig sein. Ihr Schicksal ist besiegelt, sie wird nicht heiraten und sich in Zukunft unterordnen. Obwohl dies ein Roman ist, beruht er doch auf biographischen Ähnlichkeiten im Leben der Dichterin.Karen Duve malt ein grandioses Zeitpanorama, in dem die Enge der Gesellschaft, die maßlose gegenseitige Kontrolle aller durch alle schmerzlich spürbar wird in so wunderbaren Beschreibungen wie dem Besuch bei den Brüdern Grimm in Kassel, in Nettes Kuraufenthalt mit der Großmutter in Bad Driburg oder den unentwegten, zahllosen Verwandtenbesuchen.


Chimamanda Ngozi Adiche, Americanah


Die Autorin ist Nigerianerin und lebt in Amerika. Mit Americanah bezeichnen die Nigerianer Landsleute, die längere Zeit in Amerika gelebt haben und, wenn sie zurückkommen, so viel Fremdes aufgesaugt haben, dass darüber ihre nigerianische Identität verloren gegangen ist, oder doch zumindest angeschlagen. Nun könnte man das für trivial halten, denn natürlich verändert sich jeder Mensch, wenn er reist, wenn er gar über einen längeren Zeitraum in einem fremden Land lebt. Aber die Dimensionen, um die es hier geht, sind gewaltig. Ifemelu, die Hauptperson dieses Romans, begegnet uns am Anfang, als sie nach 13 Jahren in Amerika beschließt, nach Nigeria zurück zu kehren. Im Rückblick wird ihre Jugend in Nigeria beschrieben, ihr Leben in der Familie, ihre große Liebe zu Obinze. Die unerträglichen, andauernden Streiks an den Universitäten, an denen die Lehrenden ihr Gehalt nicht bekommen – Synonym für Vieles, was in diesem Land falsch läuft – veranlassen Ifemelu, ein Visum für Amerika zu beantragen. Dort darf sie studieren, aber nicht arbeiten. Es folgt ein Leidensweg aus Demütigungen, Hoffnungslosigkeit und Frustration, den Ifemelu schließlich durch Glück überwindet. Aber die tiefen Wunden führen dazu, dass sie sich völlig auf sich selber zurückzieht und jede Verbindung zu Obinze, der doch eigentlich nachkommen wollte, abbricht. Sie findet Freunde, sie findet Männer, die sie lieben kann. Sie richtet einen Blog ein, der so erfolgreich ist, dass sie davon leben kann. Aber sie fasst nicht Fuß. Eines der Hauptprobleme ist die Rassenfrage. Erst in Amerika wird ihr bewusst, dass sie schwarz ist, und erst als sie nach Nigeria zurückkehrt, empfindet sie dies nicht mehr als Problem.Der Roman ist reich an Geschichten von Ifemelu und ihren Verwandten in Amerika, von Obinze, der erfolglos versucht, in England sein Glück zu machen und der später in Nigeria als reicher Mann, verheiratet und mit einer Tochter leben wird. Immer wieder geht es in diesen Geschichten um Fragen wie: Was kann man im Leben selber erreichen, in welchem Maße ist man vom Zufall und das heißt hier sehr oft vom Treffen mit den „richtigen Leuten“ abhängig. Kann man seine Unabhängigkeit bewahren? Als Ifemelu zurückkommt, ist sie eine Americanah, aber anders als viele ihrer Landsleute glorifiziert sie Amerika nicht und beklagt sich auch nicht über ihr Land. Sie liebt Nigeria. Sie will wirklich zurückkehren, auch innerlich. Herzzerreißend das Wiedersehen mit Obinze. Es soll hier nicht verraten werden, ob die lebenslange Sehnsucht der beiden sich am Ende erfüllen kann, oder ob die Banalität des Lebens, das sie in grausamer Gleichgültigkeit so weit auseinander geführt hat, sie einholen wird.



Thomas Hürlimann, Heimkehr


Heinrich Übel jun. wird von seinem Vater, dem Gummifabrikanten aus dem Schweizer Hochtal, vor die Tür gesetzt mit den Worten, er sei „der Abfall, der weit vom Stamm gefallen ist“. Er solle sich erst wieder nach Hause trauen, wenn aus ihm etwas geworden sei. Der Junior geht nach Zürich und hört dort unendlich viele Vorlesungen, aber das führt zu nichts. Als der Vater ihn nach 18 Jahren zu sich ruft, weil er gestürzt ist, macht der Sohn sich auf den Heimweg in einem geliehenen Auto und verunglückt auf eisglatter Fahrbahn. Er verliert das Bewusstsein und als er wieder aufwacht, Monate später, befindet er sich in Sizilien und ist ein anderer Mensch geworden. Er ist kahl geschoren und hat am Kopf eine wulstige Narbe. Man hält ihn für einen, der dem Tod ins Auge geblickt hat, für einen Mafioso. Man erweist ihm, dem ehemaligen Versager, hier die größte Hochachtung. Nur er selbst scheint zu wissen, dass er immer noch der Alte ist. Wenn er es ist, denn nichts ist mehr sicher. Er kann sich nicht erklären, was mit ihm passiert ist und wie er nach Sizilien gekommen ist. Er kann sich an nichts erinnern. Und so macht er sich auf die Suche nach sich selbst und auf die Suche nach dieser verlorenen Zeit. Es folgt eine ebenso abenteuerliche wie gänzlich absurde Reise, die ihn über Afrika zurück nach Zürich, nach Berlin und schließlich wieder in die Schweiz führt. Niemand scheint ihn zu erkennen, jeder sieht in ihm, wen er will. Eine Odyssee ist das, aber noch viel eher ein Schelmenroman, bei dem die Kuriositäten zur Normalität gehören und den man nicht unbedingt ernst zu nehmen braucht. Man muss das mögen, diese Fantastereien, das bis an die Schmerzgrenze Ausufernde, wenn Heinrich Übel  versucht, Licht in seine Amnesie zu bringen. Erst beim dritten Anlauf gelingt es dem Junior tatsächlich, nach Hause zu kommen, aber auch das ist keine echte Heimkehr. Die Frage, was vor und nach seinem Unfall geschehen ist, findet schließlich Antworten, aber die sind im Grunde nutzlos, sie erklären nichts. „On ne revient pas“ heißt es mehrfach in dem Buch: niemand kann zurück, eine Heimkehr ist ausgeschlossen. Der Schluss mit einem sprechenden, Auto fahrenden, gestiefelten Kater ist geradezu absurd und führt wohl in den Tod. Als Heinrich in den frühen Jahren an der Universität, als er sich  einschreiben will, seinen Lebenslauf auf einer Seite formulieren soll, schreibt er stattdessen sein ganzes Leben auf, über tausend Seiten, die er in Kartons archiviert – nur um am Ende zu erfahren, dass auch er sich für einen anderen gehalten und keineswegs die Wahrheit über sich geschrieben hat. Ebenso ufert der ganze Roman aus, Ereignisse, Begegnungen entwickeln sich auf unerhörte, unerwartete Weise. Den roten Faden zu behalten, fiele schwer, wären da nicht die unendlichen Wiederholungen, die einen wieder auf die Spur führen. Wie gesagt, man muss das mögen, nichts für knallharte Realisten.


Castle Freeman, Auf die sanfte Tour


Ich fühlte mich nicht wohl an diesem zweiten Adventssonntag, bei miesem Wetter mit einer Erkältung im Leib. Da kam mir dieser kleine Roman gerade recht. Auf seine völlig unaufgeregte Art beschreibt Freeman, wie Sheriff Wing in der abgelegenen Welt von Vermont mit seiner Aufgabe – die er Sheriffsein nennt – fertig wird, nämlich ebenfalls ziemlich gelassen. Obwohl die Dinge, die sich hier abspielen von einiger Brisanz sind und von anderen Autoren und deren Romanfiguren gänzlich anders aufgefasst würden. Wahrscheinlich würden einem die Haare zu Berge stehen vor Aufregung, thrillermäßig würden Polizisten, Verbrecher und völlig Unschuldige gejagt, verfolgt, auf brutalste Weise umgebracht. Denn hier geht es um Russen. Russenmafia? Wer weiß das schon. Was man aber weiß ist, dass mit denen nicht gut Kirschen essen ist, so oder so. Keine schöne Lektüre für einen Adventssonntag. Das ist bei Freeman ganz anders. Hier kann man sich gemütlich in den Sessel kuscheln bei einem heißen Ingwer-Tee und die Dinge ihren Lauf nehmen lassen. Denn sie werden beruhigender Weise gut ausgehen.Sean Duke, starker Dummkopf und Frauenheld, bricht in die Villa der Russen ein, in der sowieso kaum je jemand ist und klaut einen kleinen, tragbaren Safe, in dem er Geld zu finden hofft. Leider lässt sich der nicht öffnen, überhaupt nicht. Blöde Geschichte, nicht nur deswegen, sonder auch, weil den Russen das nicht gefällt und sie jemanden schicken, der das in Ordnung bringen soll. Mit dem wird Sean erstmal fertig und bindet ihn nackt an einen Baum. Aber das ist nicht die Lösung des Problems. Sheriff Wing wartet zunächst ab, während sein Deputy ihm deswegen Vorwürfe macht. Er hält seinen Chef ohnehin für einen Langeweiler und untätigen Versager. Deswegen wird er selber aktiv, was ihm aber nicht gut bekommt.Nach dem einen Russen kommen zwei, und da wird die Angelegenheit schon unangenehmer, auch wenn Crystal, eine von Seans Freundinnen, mit Hilfe ihres Mastiffs und einer doppelläufigen Flinte auch mit denen erstmal fertig wird.Mit Mühe gelingt es Sheriff Wing, Sean Duke dazu zu überreden, die Gegend ziemlich schnell und ziemlich vollständig zu verlassen. Scheint Sean doch zunächst uneinsichtig und etwas trotzig-frustriert wegen des missglückten Einbruchs. Aber dann trollt er sich doch. Sheriff Wing, der inzwischen weiß, wohin Sean den Safe weggeworfen hat, findet eine Lösung mit den Russen und am Ende ist alles gut.Warum der Sheriff Sean, der ja eigentlich ein Verbrecher ist, nicht einfach festnimmt und ins Gefängnis steckt? Vielleicht, weil Sean zwar gegen das Gesetz verstoßen hat, aber nicht wirklich ein Verbrecher ist? Und weil, wenn er einmal im Gefängnis säße, ihm auch kein Baum, keine Crystal, kein Mastiff gegen die Russen helfen würde? Dauerhafte Lösungen stellen sich eben eher auf die sanfte Tour ein.


Jennifer Egan, Manhattan Beach

New York in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Anna begegnet uns am Anfang des Romans als Zwölfjährige, die ihren Vater auf Botengängen begleitet, mit denen er offensichtlich sein Geld verdient. Es bleibt geheimnisvoll, was er da eigentlich tut. Es ist eine Zeit großer Arbeitslosigkeit und Eddie Kerrigan muss nehmen, was er kriegen kann. Er bringt Anna in das Haus, nein die Villa, von Dexter Styles am Manhattan Beach, und der immense Luxus, dem Anna dort begegnet, verschlägt ihr den Atem. Der Leser ahnt, dass solcher Wohlstand in diesen Zeiten eigentlich nur eines bedeuten kann: kriminelle Machenschaften. Einige Jahre danach verschwindet Eddie sang- und klanglos. Niemand scheint sich zu wundern: einer von vielen irischen Kerlen, die ihre Familien verlassen? Zumal Eddie außer Anna noch eine schwerstbehinderte Tochter, Lydia, hat, mit der er sich nicht abfinden mochte. Fünf Jahre später ist Anna neunzehn Jahre alt, der Krieg in Europa ist inzwischen ausgebrochen und Amerika bereits involviert. Anna arbeitet im Brooklyn Naval Yard und vermisst Einzelteile, die in Kriegsschiffe eingebaut werden sollen. Eine stupide Arbeit, die sie unterfordert, aber eine, die Frauen leisten können für das Land in diesen Zeiten. Sie beobachtet, wie Männer im Hafen zu Tauchern ausgebildet werden und weiß, dass auch sie das machen will. Gegen alle Widerstände gelingt ihr das sogar, sie die erste weibliche Taucherin. In einem Nachtclub sieht sie Dexter Styles wieder, der Besitzer dieser Bar ist. Sie scheut sich davor, ihm zu sagen, dass sie sich schon begegnet sind und nennt ihm nicht ihren richtigen Namen. Styles ist ohne zu wissen warum, fasziniert von Anna. Bei einer weiteren Begegnung in demselben Nachtclub, fängt Styles sie ab. Es kommt zu einer Liebesnacht in einem abgelegenen Bootshaus. Anna ahnt, dass Styles etwas über das Verschwinden ihres Vaters weiß und bringt ihn dazu, die Vermutung, ihr Vater sei tatsächlich tot, zu beweisen. Wie das geschieht, nämlich auf unglaubliche und unglaublich spannende Weise, soll hier nicht verraten werden.Dexter Styles lebt zwischen zwei Welten. Einerseits verdient er sein Geld durch kriminelle Kontakte, andererseits ist er mit der Tochter eines einflussreichen Mannes aus der amerikanischen Oberschicht verheiratet. Zwei Welten, die keine Berührungspunkte haben, oder doch? Lange scheint Dexter, der Liebling beider Seiten, unantastbar, aber kann er sich wirklich sicher fühlen?Egan beschreibt diese verschiedenen Leben, das der Anna Kerrigan, das des Dexter Styles und schließlich noch das von Eddie Kerrigan mit einer Intensität, einer ergreifenden Eindringlichkeit, dass man immer weiter lesen möchte. Was macht es da, dass verschiedene Ereignisse im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Eddie Kerrigan nicht besonders plausibel sind und letzte Erklärungen auch für das Schicksal des Dexter Styles  gar nicht erst gegeben werden. Das Schicksal von Anna verdrängt alles andere. Wunderbare Winterlektüre.


Katharina Adler, Ida

Ganz sympathisch ist sie einem am Anfang nicht, diese Ida, die da 1941 in Ellis Island landet und die den Eindruck erweckt, als sei sie mit allem unzufrieden, insbesondere mit ihrem Sohn Kurt und seiner neuen Frau, die er ihr nicht einmal vorgestellt hat vor der Hochzeit. Dabei sind das keine normalen Zeiten, in denen man auf solche konventionellen Regeln Rücksicht nehmen könnte. Es ist noch Krieg in Europa und Amerika steht unmittelbar davor, in diesen Krieg einzutreten. Und Ida hat sich gerade noch vor den Nazis nach Amerika retten können. Man würde etwas mehr menschliche Wärme, vielleicht auch Dankbarkeit erwarten. Erst am Ende des Romans, nachdem das ganze komplizierte Leben dieser Ida Bauer-Adler sich vor dem Leser aufgerollt hat, empfindet man mehr Mitgefühl für sie.Als Patientin des Siegmund Freud in Wien um 1900 ist sie unter dem Namen Dora in die Literatur eingegangen, das heißt, sie hat tatsächlich gelebt. Die Autorin des Romans ist eine veritable Ur-Enkelin dieser Ida. Sie hat versucht, ihr nachzuspüren und schildert das Leben dieser Hysterikerin, wie Freud sie nannte, aus deren eigener Sicht.Ida war von Jugend an kränkelnd und litt unter ihrer sicher ebenfalls leicht hysterischen Mutter, die einen Putz- und Frischluftwahn hatte und gänzlich gefangen war in gesellschaftlichen Konventionen. Den Vater hingegen, den sie während einer langen Krankheit pflegen musste, liebte Ida sehr. Außerdem vergötterte sie ihren Bruder Otto. Auf verschiedene Erlebnisse in ihrer Jugend reagierte Ida mit Krankheiten, so auf die Untreue ihres Vaters und auf die Nachstellungen durch einen älteren Freund der Familie. Es waren aber die Unaussprechlichkeit dieser Erschütterungen und die Tatsache, dass niemand ihr glauben schenkte, als sie es dann doch schließlich aussprach, die zu ihren Erkrankungen und dann zu der erzwungenen Therapie bei Prof. Freud führten, den Ida ablehnte und der letztlich nicht an sie heran kam.Ida brach die „Kur“ ab, befreite sich damit sowohl vom Arzt als auch vom Elternhaus. Sie heiratete gegen den Willen der Eltern den Nichtsnutz Ernst Adler, von dem sie den Sohn Kurt, aber sonst nicht viel bekommen sollte. Ein kompliziertes Leben, wegen der vielen familiären Verflechtungen und der aufkommenden Gefahr durch die Nazis in den 30er Jahren. Zumal Otto Sozialdemokrat war und wegen seiner politischen Agitationen verfolgt wurde und außer Landes fliehen musste. Auch Ida floh schließlich nach Paris, und mit Hilfe von Freunden ihres inzwischen verstorbenen Bruders gelangte sie tatsächlich außer Landes. Zeitlebens war diese Ida eine schwache und anfällige Person, der es dennoch gelang, vielfach mit Hilfe anderer, aber auch aus eigener Kraft, sich selber zu helfen. Am Ende des Romans und am Ende ihres Lebens spürt man ihre Verbitterung und Unversöhnlichkeit, aber trotz allem auch den Versuch, beides zu überwinden. Brigitte Tietzel

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