Buchbesprechungen 2018


Die folgenden Besprechungen wurden uns zur Verfügung gestellt von Brigitte Tietzel, der früheren Leiterin des Deutschen Textilmuseums in Linn.

Jenny Erpenbeck, Gehen, ging, gegangen

In Zeiten, in denen ganz Deutschland wegen der „Flüchtlingskrise“ aufgeregt diskutiert, tut es gut, dieses Buch in die Hand zu nehmen, das ruhig, gleichwohl eindringlich und einfühlsam vermittelt, worum es eigentlich geht: um Menschen nämlich, von denen jeder sein eigenes Schicksal mit sich herum trägt.

Und diese Menschen – hier sind es in Berlin gestrandete Schwarzafrikaner – haben zum großen Teil furchtbare Dinge erlebt, haben gesehen, wie Eltern und Kinder getötet wurden, haben selber, bei einer furchterregenden Fahrt über das Mittelmeer, dem Tod ins Auge geblickt und wollen jetzt nur noch eines: weiterleben, in Ruhe und Frieden, wollen arbeiten, um sich genau das zu ermöglichen. Dem gegenüber gibt es Gesetze, die genau das verhindern. Diese Menschen haben Europa in Italien betreten, und also ist Italien für sie zuständig, nicht Berlin und nicht Deutschland. In Italien aber hat man sie auf die Straße geschickt. Dort könnten sie sich Arbeit suchen. Aber sie finden keine. Und so sind sie weiter gezogen.

Jenny Erpenbeck schildert diese Situation gänzlich unaufgeregt, ohne anzuklagen, ohne aber auch billige Lösungen anzubieten, oder überhaupt Lösungen. Unaufgeregt ist auch ihr Protagonist, Richard, ein gerade emeritierter Hochschulprofessor. Er wird aufmerksam auf die Afrikaner, die auf dem Oranienplatz wild campieren und von dort in verschiedene Unterkünfte gebracht werden. Er findet, ein bisschen verwunderlich vielleicht, dass zwischen diesen „aus der Zeit Gefallenen“ – die nämlich mit ihrer Zeit so gar nichts anfangen dürfen – und ihm selber eine gewisse Beziehung besteht, denn er hat noch nicht gelernt, mit der vielen Zeit, die ihm jetzt gegeben ist, sinnvoll umzugehen.

Richard sucht die Afrikaner auf, zunächst unter dem Vorwand einer wissenschaftlichen Untersuchung, und befragt sie. Von allem Anfang an aber sind das keine Interviews sondern ganz persönliche Gespräche. Gespräche zwischen Richard, der auf der einen, der „richtigen“ Seite steht und den anderen, denen auf der „falschen“ Seite, die hier nicht hin gehören und, auch das ist klar, die nicht werden bleiben dürfen.

In dem Augenblick, in dem Richard (und der aufgeschlossene Leser) die Schicksale der Männer und ihre schreckliche Not kennenlernt, begreift er, wie grausam, wie menschenverachtend, wie inhuman das Vorgehen einer Verwaltung nach den vorhandenen, gültigen Gesetzen ist. Niemandem ist ein Vorwurf zumachen. Es schnürt einem die Kehle zu. Richard hilft. Durch seine Gespräche, sein Interesse, seine Zuwendung, schließlich ganz konkret, indem er einige der Schwarzen, die abgeschoben werden sollen, bei sich wohnen lässt und auch seine Freunde dazu animiert. Das ist kein positives Ende, denn das ist keine dauerhafte Lösung. Es zeigt aber, wie wichtig es ist, jeden Menschen, der geflohen ist, als Menschen wahrzunehmen und sich ihm gegenüber als Mensch zu verhalten. Wenigstens das kann solchen Verlorenen ein Stück ihrer Würde erhalten.

Ein ergreifendes, auch sprachlich wunderbares Buch.


Julia Kissina, Elephantinas Moskauer Jahre

Als ganz junges Mädchen, vielleicht 16/17jährig, nimmt die Protagonistin des Buches das Pseudonym Elephantina an. Sie und ihre Klassenkameradinnen in Kiew haben sich der Kunst verschrieben, welcher ist eigentlich egal: der Malerei, dem Theater, der Poesie. Die Warnungen ihrer Väter und Großväter, dass das Leben des Künstlers „sagenhaft schwer“ ist, klingt ihnen wie eine Verheißung. Sie wollen zukünftig keine Lehrer und keine Autoritäten anerkennen, niemals auf die Meinung anderer hören, immer nur den eigenen Weg gehen. Und vor allem: sich niemals verlieben. Insbesondere der letzte Schwur wird umgehend gebrochen.

Elephantina verliebt sich unsterblich in einen Moskauer Dichter, der in die Provinz nach Kiew kommt, um dort zu lesen und über Literatur zu sprechen. Er trinkt viel, läuft dabei rot an und erinnert sie an „fröhliche Gemüsetomaten“. Fortan ist er ihr heimlicher Guru, und sie nennt ihn für sich Tomaterich, Tomatosi, Tomatensoße, Gemüse, etc. etc. Er hat auch einen richtigen Namen, Andrujscha Pomidor. Sie folgt ihm nach Moskau, genauer, sie geht nach Moskau, um ihm nahe zu sein. Sie studiert dort – Theaterdekoration – denn sonst wäre es ihr nicht erlaubt, sich in der Hauptstadt aufzuhalten. Später, als man sie wegen mangelnder Leistungsfähigkeit oder  Leistungswilligkeit aus der Schule wirft, wird sie sogar eine Scheinehe eingehen, um in Moskau bleiben zu können. Es ist die Beschreibung der wilden Jugendjahre einer Person, die den Weg ins Leben finden muss und will, die für das freie Künstlerdasein nonnenhaft gekleidet durch die Stadt zieht, sich in Literaten-, Avantgardekünstler-, Intellektuellenkreisen herumtreibt, immer für Momente auch in der Nähe ihres Tomaterichs. Da es völlig ausgeschlossen ist, in Moskau eine Wohnung zu bekommen, zieht sie von Schlafstatt zu Schlafstatt, wohnt bei tausend Leuten, außerdem in U-Bahnhöfen oder in Museen bei irgendwelchen Hausmeistern und sonstigen zwielichtigen Gestalten. Zum Schluss, nach Jahren, landet sie wieder in Kiew.

Das alles beschreibt Elephantina selbst, in Worten von unbändiger Klarheit und gleichzeitig grandioser sprachlicher Fantasie. Sie brennt ein Feuerwerk in Bildern ab, mit denen die grässlichen Moskauer Verhältnisse, die Armut und Verzweiflung aber auch der unbändige Lebenswille und die Lebenslust der Menschen dort vor dem Leser ausgebreitet werden. Außerdem schildert sie gnadenlos den Kampf all der Dichter, Philosophen und sonstigen Verrückten der sogenannten Avantgarde in ihrer wunderbaren, unsinnigen Widersprüchlichkeit und mit ihrer weitgehend unverständlichen Geschwätzigkeit. Das alles kann einem leicht zu viel werden und will einem den Atem nehmen. Man darf vermuten, dass Julia Kissina, die in den 80er Jahren zum Kreis der „neuen russischen Avantgarde“ gehörte,  hier die Jahre ihrer eigenen Initiation beschreibt: klarsichtig und trotz aller spöttischen Distanz mit Wärme und Humor.


Radek Knapp, Der Gipfeldieb
"Radek Knapps Helden nehmen es mit dem Teufel auf." Hubert Spiegel, FAZ


Ludwik Wiewurka ist der Melancholiker unter den Wiener Heizungsablesern: Als Mitarbeiter der Firma Wasserbrand & Söhne besucht er die Wohnungen der Stadt und liest dabei nicht nur die Zählerstände ab, sondern widmet sich nebenbei auch der Gemütsverfassung ihrer durchaus seltsamen Bewohner. Ludwik ist gebürtiger Pole, und der innigste Wunsch seiner Mutter ist es, dass er endlich Österreicher wird. Ein Ziel, vor dem ihn sein gesunder Menschenverstand eindringlich warnt: Denn hinter jeder Tür wartet immer die nächste. Doch gegen den Willen einer starken Frau ist Ludwik natürlich machtlos - immerhin aber ist er in der Lage, sein Schicksal in eine günstige Richtung zu lenken. Ein listiger Roman über Menschenkenner und Frauenhelden, über ausgebuffte Wiener und polnische Wunderknaben. Radek Knapp nähert sich seiner hintersinnigen Geschichte mit bestechend leichter Hand.

Milena Michiko Flašar, Herr Katō spielt Familie

Es ist schon eine sehr ungewöhnliche Geschichte, in die der Protagonist dieses Buches hineingezogen wird. Eine junge Frau, Mie, beobachtet, wie er auf einem Friedhof herumtanzt und spricht ihn an. Dieser „er“ genannte Mann, dessen Namen im gesamten Roman nicht genannt wird, ist gerade in einer schwierigen Lebensphase. Er ist in den Ruhestand versetzt worden, hat aber noch keinen Weg gefunden, damit umzugehen. Seine Frau im Übrigen auch nicht. Er kommt gerade vom Arzt, wo ihm – enttäuschenderweise – mitgeteilt wurde, dass er völlig gesund ist, und nun trampelt und tanzt er in einem plötzlichen Anfall von Ausgelassenheit auf den ärztlichen Unterlagen auf diesem Friedhof herum.

Mie erzählt ihm, dass sie Schauspielerin ist und ihr Geld damit verdient, „Familie zu spielen“. Sie überredet ihn, sich ebenfalls darauf einzulassen. Es gäbe Menschen, die zu einer bestimmten Gelegenheit einen „Verwandten“ mieteten, der für ein paar Stunden eine perfekte Rolle zu spielen habe, dann aber ohne Konsequenzen, Gefühle, Bindungen aus dem Leben des Auftraggebers wieder zu verschwinden habe. Das könne eine Tochter sein oder eine Tante, ein Bruder, Vater, Ehemann. Mie engagiert Herrn Katō, so nennt sie ihn einfach, und gibt ihm verschiedene Aufträge. Er lässt sich mit großem Engagement auf diese teilweise rührenden, teilweise absurden Situationen ein. Der Roman lebt im Übrigen ganz von den Gedanken, die sich dieser Herr Katō, wie ich ihn der Einfachheit halber ebenfalls nennen möchte, macht: Gedanken über sein Leben, über seine Frau und seine Ehe, über seine ehemaligen Arbeitskollegen. So lernen wir ihn kennen. Er grübelt über unterlassene Vorhaben, zum Beispiel eine Reise nach Paris, die er im Ruhestand mit seiner Frau machen wollte, die er sogar akribisch vorbereitet hat, zu der es aber nie gekommen ist. Vieles möchte er ändern oder wenigstens ansprechen. Das meiste bleibt ungesagt oder, wenn es zur Sprache kommt, rudert er sofort zurück. Da hat sich etwas eingeschlichen in sein Leben, in seine Ehe, das ist festgefahren, und er kommt so leicht da nicht wieder raus. Als gemieteter „stand-in“, so werden die Personen genannt, die für bestimmte Wünsche einspringen, ist er dagegen einfühlsam, und sogar redegewandt. Schließlich steigt Mie aus dem Geschäft aus und damit hat die Geschichte auch für Herrn Katō ein Ende. Aber er hat ja noch seine eigene Familie. Nur ist die kein Spiel, sondern ziemlich ernst. Hier fühlt sich Herr Katō unfähig, minderwertig, ausgeschlossen beispielsweise aus der Beziehung zwischen Muter und Tochter. Erst als er zusammenbricht, können Dinge geregelt werden, die sein verfahrenes Leben tatsächlich einigermaßen ins Lot bringen.

Ein kluges Buch über die Probleme des Alters, in dem der Mensch sich neu ausrichten muss. Da Herr Katō und seine Frau sich lieben und im Grunde eine gute Ehe geführt haben, ist ein versöhnliches, wenngleich unspektakuläres und daher glaubhaftes Ende möglich.


Yeonmi Park, Mut zur Freiheit

Das ist der erschütternde Bericht einer jungen Frau über ihre Flucht aus Nordkorea. Yeonmi war 21 Jahre alt, als sie das Buch schrieb, sie war 13, als sie zusammen mit ihrer Mutter den Grenzfluss Jalu überquerte, der Nordkorea von China trennt, um der Hölle ihres bisherigen Lebens zu entfliehen. Sie wog noch 27 Kilo und wollte einfach nur überleben. Die Frauen wussten nicht, was sie auf der anderen Seite in China erwartete. Sie dachten, sie wären dann frei, obwohl sie eine richtige Vorstellung von Freiheit noch gar nicht hatten. Und sie hofften, endlich etwas zu essen zu bekommen. Dass sie diese Flucht trotz der nötigen Bestechungen der zahlreichen Grenzposten nicht bezahlen mussten, hätte ihnen wohl zu denken geben müssen, aber sie waren nicht darin geschult, Menschen zu misstrauen. Und zahlen mussten sie dann doch, denn die ihnen halfen waren Menschenhändler. In China mit seiner verfehlten Ein-Kind-Politik ist der Verkauf der koreanischen Frauen ein gutes Geschäft.

Die Odyssee von Mutter und Tochter, die den verschiedensten Männern in die Hände fielen, ist unbeschreiblich und treibt einem die Tränen in die Augen. Aber die Beschreibung des Lebens der Familie in Nordkorea vor der Flucht ist ebenso grauenvoll und kaum zu ertragen. Die absolute Indoktrination der Menschen, ihre Einschwörung auf die Verherrlichung der Führerfamilie Kim, denen man gottgleiche Gaben zuordnete wie etwa die Beeinflussung des Wetters, hielten auch Yeonmi völlig gefangen. So sehr, dass sie, selbst als sie schließlich in Südkorea in Sicherheit war und an der Universität Fakten über Nordkorea hörte, diese nicht ohne weiteres glauben wollte, und es dauerte lange, bis sie begriff, dass die glorreichen Führer der Familie Kim allesamt Verbrecher waren. Das Yeonmi und ihre Mutter die Strapazen überlebt haben, dass die Schwester Eunmi ebenfalls zweimal fliehen konnte, aus Nordkorea und aus China, und dass sie heute wieder vereint sein können, grenzt an ein Wunder. Das Schicksal des Vaters, der in China verstarb, ist dagegen weniger glücklich verlaufen. Ebenfalls unglaublich und bewundernswert ist, dass Yeonmi, obwohl sie kaum zur Schule gegangen war und man ihr in Südkorea zu verstehen gegeben hatte, dass sie als geflohene Nordkoreanerin den Anforderungen des südkoreanischen Schulsystems nicht gewachsen sein würde, genau das dann doch schaffte. Mit ungeheurem Fleiß und einem sehr starken Willen gelang es ihr, an der Universität angenommen zu werden. Außerdem aber wurde sie schließlich das Sprachrohr für ihre Landsleute. Man lud sie ein, in Südkorea zunächst, später auch in Europa und Amerika, über ihre Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen. Seitdem ist sie für Nordkorea eine Staatsfeindin.

Man kann nur hoffen, dass der lange Arm dieses brutalen Regimes niemals bis nach New York reichen wird, wo Yeonmi heute lebt. Donald Trump hat über Kim jong-un gesagt: "Er ist ein sehr talentierter Mann, der sein Land außerordentlich liebt" und: "Er organisiert das Land, und er organisiert es tough." Er sollte dieses Buch lesen.


Henning Mankell, Treibsand – Was es heißt, ein Mensch zu sein

Am 5. Oktober diesen Jahres (2015) ist Henning Mankell seinem Krebsleiden erlegen. Anfang 2014 erhielt er die Diagnose, und damals kam es ihm vor, als müsse er in seinem Leben versinken wie im Treibsand. Eine Vorstellung ist das von einem Sand, der einen, hat man ihn einmal betreten, hinabzieht, gnadenlos, ohne Hoffnung auf Rettung. Obwohl es eine solche Erscheinung im wirklichen Leben gar nicht gibt, kann die Vorstellung davon traumatisch sein.

Mankell hat sich, wie er schreibt, nach drei Wochen aus diesem Trauma befreit.Dann hat er sich in einer unglaublich fruchtbaren Weise dem Gedanken an sein nahes Ende gestellt. Im Angesicht des Todes hat er sein Leben Revue passieren lassen, nicht chronologisch, sondern von Gedanken ausgehend, die allesamt mit Fragen zu tun haben wie: was ist der Mensch, was ist im Leben wichtig, was bestimmt einen, der zu werden, der man ist? Welche Lehren hat man aus seinem Leben gezogen, was hat man versäumt, welches Unrecht getan? Wohin gehen wir? Was können wir von vorherigen Generationen lernen, was hinterlassen wir unseren Kindern? Der Gedanke, dass wir zukünftigen Generationen Atommüll hinterlassen, von dem niemand sagen kann, welche Folgen das haben wird, ist niederschmetternd, nicht nur für den Autor.

Henning Mankells Leben war offensichtlich ungeheuer reich und vielleicht spannender als seine Kriminalromane, und die waren – zumindest die ersten, die ich gelesen habe: Mörder ohne Gesicht, Die Hunde von Riga, Die weiße Löwin – wirklich sehr spannend und sehr gut geschrieben, und haben zu Recht seinen Weltruhm begründet. (Wie die völlig belanglosen und sterbenslangweiligen Fernsehfilme, die mit Mankells Namen werben, in sein Werk einzuordnen sind, vermag ich nicht zu verstehen).

Aber sein Leben ist nicht nur reich gewesen, weil er viel erlebt hat, viel gereist ist, lange in Afrika war, sondern vor allem, weil er ein so neugieriger, wissensdurstiger Mensch gewesen ist, mit einer umfangreichen, viele Bereiche und Zeiten überspannenden Bildung. Diese erlaubte es ihm, Fragen zu stellen, die viele von uns umtreiben. Das ist für den Leser ungeheuer anregend. Auch Mankell fand keine endgültigen Antworten, niemand kann das, und man merkt, mit welcher inneren Spannung er den Dingen auf den Grund gehen möchte.Die vielen menschlichen Begegnungen, die er beschreibt, die zahlreichen Ausnahmesituationen führen zu gedanklichen Auseinandersetzungen von enormer Tragweite. Und sie zeigen die unglaubliche Vielfalt, die unbegrenzten Möglichkeiten des Lebens, woraus Mankell seine Freude zog, seine lebensbejahende Einstellung – und letztlich seine Angst vor dem Tod. Denn davon erwartete er nichts als Dunkelheit und Vergessen. Er war kein gläubiger Mensch.Manchmal treibt es einem die Tränen in die Augen, wenn man mit dem Autor begreift, dass die Fülle, aus der er schöpfte und die auch uns, solange wir leben, zur Verfügung steht, unausweichlich an ein Ende kommt. Für jeden von uns.


Jörg Magenau, Princeton 66. Die abenteuerliche Reise der Gruppe 47

Man hat es damals nicht so richtig mitbekommen, und die Jüngeren unter uns kennen die Gruppe 47 vielleicht gar nicht mehr: den Zusammenschluss eher links orientierter Schriftsteller, die nach dem Krieg, 1947 eben, ein Zeichen setzen wollten. Wie Hans Werner Richter, der „Anführer“ der Gruppe, derjenige, der zu den jährlichen Treffen einlud, es einmal formulierte „auf keinen Fall dürfen die Fehler (i. e. der Nazizeit) wiederholt werden.“

Es war aber niemals eine geschlossene Gruppe, sonder es war das feiwillige Miteinander sehr unterschiedlicher Individuen, die sich als Literaten oder als Kritiker für eine neue Literatur in Deutschland und damit im Grunde für eine neue Gesellschaft verantwortlich fühlten. Siegfried Lenz, Martin Walser, Walter Jens, Heinrich Böll, Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass, Uwe Johnson waren wichtige Namen oder Marcel Reich-Ranitzki, Hans Mayer und Hellmuth Karasek als Kritiker.Bei den Treffen wurde nach Aufforderung von Richter (und nur von Richter) gelesen, und dann wurde der Text kommentiert – gelobt, verrissen, was auch immer. Nur der Text, nicht der Autor (der schweigend zuhören musste), nicht irgendwelche grundsätzlichen Ideen. 1966 traf sich die Gruppe auf Einladung durch die Amerikaner in Princeton, und Jörg Magenau beschreibt dieses Treffen, als wäre er selber dabei gewesen, so locker und mit leichter Hand, so voller Ironie und geradezu entwaffnender Beschreibung all der vielen Befindlichkeiten, Ängste, Eifersüchteleien, dass man selber zum schadenfrohen Beobachter wird. Das ist meisterhaft und unterhaltsam.Kaum zu glauben, dass das Häufchen von deutschen Literaten, immerhin 80 an der Zahl, sich in Princeton ganz für sich hielt, kaum den Kontakt zu den amerikanischen Kollegen suchte, so dass man sich fragen lassen musste, warum man sich eigentlich nicht in der Eifel getroffen hätte. Dass man sich mit politischen Statements zurückhalten sollte – nämlich nicht in kritischer Weise zum gerade tobenden Vietnamkrieg Stellung zu nehmen habe –, war eine der Bedingungen für die Einladung von amerikanischer Seite gewesen.

Magenau entlarvt, nicht böse, sondern auf geradezu komische Weise die Wichtigtuerei einer Intelligentia, die im Saft ihrer eigenen Regeln und Bedingungen schmorte und im Grunde nicht frei und offen und aufgeschlossen war, wie sie sich so gern verstanden hätte. Peter Handke stand am Ende der Tagung auf und kritisierte doch grundsätzlich. Er warf den Autoren „Beschreibungsimpotenz“ vor, und Magenau macht deutlich, dass er damit am besten seinen eigenen Text getroffen habe. Für Handke war es der Aufbruch in die Popularität. Kurze Zeit später erfolgte in Frankfurt seine berühmte „Publikumsbeschimpfung“. Nach Princeton traf sich die Gruppe 47 nur noch einmal. Sie hatte sich überlebt. Die Jugend suchte in der 68er Revolution andere Betätigungsfelder als die Literatur. Magenau ist eine grandiose, humorvolle Analyse gelungen, nicht nur dieses einmaligen Treffens, sondern der Gruppe 47 überhaupt und ihrer Zeit.


Helen Macdonald, H wie Habicht

Dieses Buch ist eine Herausforderung, und es ist unvergleichlich. Es ist kein Roman, obwohl in ergreifender Weise eine Geschichte erzählt wird, und es ist nur unzulänglich als Sachbuch beschrieben, obwohl es eine Menge Wissen über  Greifvögel vermittelt. Hier geht es um die Beziehung Mensch und Tier. Aber was für ein Tier! Und was für ein Mensch, muss man gleich hinzufügen.

Helen Macdonald, die heute an der Universität von Cambridge Geschichte und Philosophie der Wissenschaften unterrichtet, war sicher schon als Kind ungewöhnlich in ihrer Liebe, ja Obsession für Greifvögel. Sie wurde Falknerin und hat auch ein Buch darüber geschrieben, ein Sachbuch. „H wie Habicht“ ist nicht „sachlich“, es ist vielmehr von einer stürmischen, bisweilen verstörenden Emotionalität.

Als im Jahr 2007 Macdonalds Vater verstirbt, da ist sie 37 Jahre alt, trifft sie dieser Verlust bis ins Mark. In einem nicht zu steuernden Verlangen beschließt sie, einen Habicht zu zähmen, abzutragen, wie es im Fachjargon heißt. Obwohl sie sich mit Greifvögeln auskennt, ist dies eine heikle und schwierige Aufgabe, weil Habichte extrem scheu und wild sind. Mehrfach nennt die Autorin sie sogar „mörderisch“. Obwohl mir das Wort nicht wirklich zutreffend scheint, endet die Jagd eines Habichts naturgemäß blutig und scheint grausam. Der Vogel schlägt seine Klauen in das Opfer und frisst es bei lebendigem Leibe, wenn es nicht gleich tot ist.Der Weg, sich dem Vogel so anzunähern, dass Vertrauen entsteht, und der Habichtler den Vogel schließlich fliegen kann, das heißt ihn frei lassen kann und er trotzdem zu ihm zurück kommt, wird in aller Eindringlichkeit, mit aller Angst vor Rückschlägen, mit aller Freude bei Erfolgen beschrieben. Distanziert wird der Leser jedoch bemerken, wie die Hingabe an ihre Aufgabe die Autorin zu verschlingen droht. Sie entfremdet sich der menschlichen Gesellschaft, lebt nur noch für ihren Habicht bis zu einem Punkt, an dem sie selber glaubt, wie der Vogel zu fühlen, wie er die Welt zu sehen, sich geradezu in einen Habicht zu verwandeln. Man begreift, dass sich hier ein psychologisches Drama abspielt, und dass das mit dem Versuch, die Trauer und den Schmerz über den Verlust des Vaters zu verarbeiten, zusammenhängt. Gott sei Dank versteht Macdonald rechtzeitig, dass sie auf dem Weg ist, abzudriften, erkennt ihre Depression und lässt sich von einem Arzt helfen. Die eigentliche Arbeit, aus diesem eigentümlichen Zustand als Vogelwesen wieder zurück in die menschliche Gesellschaft zu finden, muss sie aber alleine schaffen. Eine späte Trauerfeier für ihren Vater hilft ihr dabei. Macdonald flicht in die Beschreibung ihres eigenen Weges die Erfahrungen von T.H. White ein, dem Autor von „Der König auf Camelot“, den seine sadistisch geprägte Homosexualität zu einem Außenseiter der Gesellschaft machte und der ebenfalls versuchte, einen Habicht abzutragen.

In seinem 1951 erschienenen Buch, „The Goshawk“, beschreibt er schonungslos die Fehler, die er dabei gemacht hat. Macdonald setzt sich einfühlsam mit Whites Erfahrungen auseinander, vergleicht sie mit den eigenen. Ihr klarer Verstand und ihre Beobachtungsgabe verhindern, dass der Wahnsinn, dem sie zu verfallen droht, wirklich Besitz von ihr ergreift.


J.D. Vance, Hillbilly-Elegie


Ein junger Mann, der Autor, erzählt mit 31 Jahren sein Leben, nein, er berichtet, wie es möglich war, den Weg zu schaffen aus den absoluten Niederungen der amerikanischen Gesellschaft und ein erfolgreiches Jura-Studium an einer der renommiertesten Universitäten des Landes, Yale, abzuschließen. Nun könnte man geneigt sein, zu glauben, dass hier die Verwirklichung des so genannten amerikanischen Traums – vom Tellerwäscher zum Millionär – stattgefunden habe. Aber das ist keineswegs so und J. D. Vance macht überdeutlich, dass niemandem, der aus seinen Verhältnissen kommt, dieser Weg offen stünde.

Die Rede ist von Menschen, ursprünglich schottisch-irischer Herkunft, die sich im Gebiet der Appalachen angesiedelt haben, eine weiße Arbeiterklasse, die zunächst als Tagelöhner und Bergarbeiter gearbeitet hat und die heute, seit dem Ende des 20. Jahrhunderts, in zunehmendem Maße in Armut gefallen und zur Dauerarbeitslosigkeit verdammt ist. Diese Hillbillys, Rednecks oder White Trash, weißer Abschaum, genannten Menschen habe ihre eigenen Gesetze und Traditionen und sind gefangen in ihrer Aussichtslosigkeit, die von Armut, häuslicher und anderer Gewalt, Scheidungen und Drogen geprägt ist. Geringe Mobilität sowie ein grundlegender Pessimismus verhindern weitgehend, dass der Einzelne sich aus solcher Umgebung lösen kann.

Das Leben des J. D. Vance weist alle genannten Nachteile auf. Ruhepunkt in seinem chaotischen Leben waren seine ältere Halbschwester Lindsay und sein Großeltern. Vor allem die Großmutter, die allerdings jeden guten Ratschlag mit nicht wiederholbaren Flüchen verzierte und die völlig außer Kontrolle geraten konnte, wenn man einem Familienmitglied zu nahe trat, hat den Jungen durch ihre hingebungsvolle Liebte gestützt und ihm geholfen, durchzuhalten und zu werden, der er wurde. Das alles liest sich wie ein Roman, bei dem einem die Haare zu Berge stehen. Das eigentlich Erschreckende ist aber nicht diese Lebensbeschreibung, denn Vance hat es ja geschafft, sondern die Erkenntnis, dass all die anderen es nicht schaffen werden. Wir reden von heute. Von einer Gesellschaft, die Barack Obama ablehnte, ja für eine Gefahr für Amerika hielt, weil er nicht ihre Sprache sprach. Die keine Wahrheit über diesen Präsidenten glaubte, aber jede Menge von „fake news“ über ihn verbreitete, im unerschütterlichen Glauben daran, dass diese Lügen die eigentliche Wahrheit seien. Diese Menschen lieben ihr Land Amerika, und sie haben, wie ich vermute, im jetzigen Präsidenten jemanden gefunden, der ihnen aus der Seele spricht, wenn er „America great again“ machen will.

Vance ist voller Mitgefühl für diese Hillbillys, zu denen er sich immer noch gehörig fühlt. Aber er prangert durchaus eine Haltung an, die keine Möglichkeit, sich selber zu helfen, ergreift und dann andere, die Gesellschaft, für ihr Versagen verantwortlich macht. Die schrecklichen Folgen sind absehbar. Eine Elegie, ein  Klagelied, ist dieses Buch in der Tat.

Juli Zeh, Leere Herzen

Man weiß nicht recht, ob das apokalyptische Szenario, das Juli Zeh in diesem Roman beschreibt, nicht vielleicht schon irgendwo Realität ist, und ganz bestimmt hält man es tatsächlich für möglich, dass sich unsere Welt, dass die Menschen sich sehr bald schon in diese Richtung entwickeln könnten.

Britta und Babak sind Partner in einem ziemlich abwegigen Unternehmen. Nur langsam erschließt sich dem Leser, worum es sich wirklich handelt. Oberflächlich hilft die „Brücke“ suizidgefährdeten Menschen, ihren Todeswunsch zu überwinden. „Geheilt“ entlassen, spenden diese voller Dankbarkeit sehr viel Geld. In Wirklichkeit geht es aber um die wenigen, die trotz aller Bemühungen fest entschlossen sind, zu sterben. Jenen gibt das Unternehmen einen guten Grund dafür. Das heißt, man hilft ihnen, nicht einfach so aus dem Leben zu scheiden, sondern für eine „gute“, eine „gerechte“ Sache zu sterben, also noch im Tode nützlich zu sein. Geht da nicht in unseren Köpfen eine Alarmglocke an? Die Todeskandidaten werden lukrativ vermittelt an wen auch immer, der gerade einen Selbstmordattentäter für seine Sache gebrauchen kann. Das läuft so leise, so völlig unspektakulär neben dem normalen Leben einer Familie mit Mann und Kind für Britta, mit ihren lieben Freunden, die wenig Geld haben, aber ein Häuschen im Grünen erstreben, dass man zunächst nicht recht begreift, wieso der Horror plötzlich in Brittas und Babaks friedliche Welt einbricht.

Da ist jemand, der versucht, ihnen Konkurrenz zu machen, jemand spioniert ihre Daten aus, kopiert ihre Methoden und versucht, sie unter Druck zu setzten, letztlich, sie ganz auszuschalten. Nicht nur ihre Arbeit, ihrer beider Leben sind in Gefahr.
Juli Zeh gelingt es meisterlich, die Angst und das Entsetzen, die diese glatte, man möchte sagen kalte Britta erfasst, auf den Leser zu übertragen. Britta hat keinen Glauben, keine Überzeugungen, schon gar keine politischen. Alles plätschert irgendwie vor sich hin, ist letztlich gleichgültig. Aber eben doch nicht alles. Sie liebt ihre kleine Tochter, die allerdings ebenfalls ohne rechtes Bewusstsein für Menschlichkeit aufzuwachsen scheint. Ihre Lieblingsspiele beinhalten Tod und Zerstörung ihrer virtuellen Protagonisten. Da ist außerdem Brittas Freundin Janina, die so ganz anders ist als sie, altmodischer. Ein bisschen verachtet Britta Janina, weil sie so gar nicht erfolgreich funktioniert in dieser Welt, in der es nun mal auf Geld und Wohlstand ankommt. Aber Britta spürt auch, mehr als sie versteht, dass Janina zu Gefühlen fähig ist, die eine Bedeutung zu haben scheinen, die ihr entgeht. Leere Herzen, das meint die Feinde, aber es trifft auch auf Britta zu und Babak. Der ist schwul, wird von seiner Familie abgelehnt, und hat in Britta und der Firma einen Halt und einen Lebenszweck, versinkt völlig in seiner Aufgabe, als Computermensch für die Brücke zu arbeiten, ohne Bezug zum wirklichen Leben. Beide werden durch eine letzte Kandidatin der Brücke, Julietta, aus ihrer Ruhe gerissen, aus dem Kokon, in dem sie sich so gemütlich eingerichtet hatten. Spannend!


Catalin Dorian Florescu, Der Mann, der das Glück bringt


Das ist einer jener ehrgeizigen Romane, die ein ganzes Jahrhundert abdecken wollen, ein Roman, der die Geschichte zweier Familien über Generationen zu verfolgen vorgibt. Aber eigentlich erzählt der Autor nur die Geschichte zweier Menschen, die in sehr unterschiedlichen Welten leben. Sie sind jeweils großartig beschrieben, voller Wärme und Mitgefühl für die entbehrungsreichen Leben der beiden, das des namenlosen, elternlosen Jungen, der um 1900 in einer verrohten, grässlich armen Umgebung in Brooklyn irgendwie überlebt, und das von Elena, die im Donau-Delta am Schwarzen Meer in Rumänien gleich zwei Väter hat. Aber beide Geschichten haben eigentlich gar nichts miteinander zu tun. Sie werden durch das zufällige Treffen zweier Nachkommen der Protagonisten viele Jahre später, nämlich 2001, ausgerechnet am Tag, als die Zwillingstürme in New York zusammenfallen, mit einander in Verbindung gebracht. Ray ist der Enkel jenes Jungen aus Brooklyn und Elena, die Tochter ihrer Mutter Elena. Das ist für mich die Schwäche der sonst packenden Erzählung. Im Verlauf des Romans wechseln kapitelweise die Schauplätze. Im ersten spricht ein Ich-Erzähler (Ray) vom Leben seines Großvaters in New York um 1900, der sich unter erbarmungswürdigen Umständen durchschlägt und dabei für einen Mann arbeitet, der die Toten Manhattens einsammelt, um sie auf den Friedhof nach Brooklyn zu bringen. Als das Geschäft schlechter zu werden droht, tötet dieser Mann die Neugeborenen von Frauen, die ihre Kinder nicht wollen und im Geheimen bekommen, und er bringt den immer nur Großvater genannten Jungen dazu, kranke Kinder mit einem Trick zu töten, um mit deren Beerdigung Geschäfte zu machen. Der Lichtblick im Leben dieses Jungen ist seine schöne Stimme, mit der er selbst in den trostlosesten Momenten andere Menschen glücklich machen kann.

Im zweiten Kapitel erzählt ein anderer Ich-Erzähler, eine Erzählerin (Elena), von ihrer Mutter, die in einer armen, von Aberglauben geprägten Region im rumänischen Donau-Delta geboren wird von einer Frau, die mit ihrem Mann nur tote Kinder bekam. Als dieses lebende Kind zur Welt kommt, ist klar, dass es das Kind eines anderen ist. Der lebt als freundlicher Tor im Delta. Er liebt seine Tochter, die mehr Zeit mit ihm verbringt als mit der Mutter. Der Mann der Mutter stirbt kurz nach der Geburt und die Mutter will die Tochter im Grunde nicht. Diese versucht, ihren Weg in einer kleinen Stadt zu finden. Der Vater stirbt an der Lepra, und auch Elena erkrankt daran. All ihre Lebenshoffnungen und Erwartungen enden in der Lepra-Kolonie, die von allen gesunden Menschen abgeschieden ist. Später wird sie mit einem anderen Leprakranken eine Tochter bekommen, die Ich-Erzählerin, eben jene, die sehr viel später nach Amerika reisen wird, um den letzten Wunsch der Mutter zu erfüllen, und ihre Asche in New York zu verstreuen. Zwei wunderbare Geschichten, die nicht wirklich davon profitieren, dass die Nachkommen sich treffen und lieben werden. Deren eigenes Leben wird in dem Roman nur sehr skizzenhaft  beschrieben, weil es auch kaum eine Rolle spielt. Trotzdem wunderbar zu lesen.


Marjaleena Lembcke, Wir bleiben nicht lange

Die ist die Geschichte zweier finnischer Schwestern am Ende des Lebens der einen. Sisko lebt in London. Sie liegt im Krankenhaus, weil sie Krebs hat. Endstadium. Ihre Schwester Mirja, die in Deutschland verheiratet ist, ist nach London gekommen, um ihrer Schwester beim Sterben zu helfen. Kann man das so sagen?
Mirja wohnt im Gästehaus des Krankenhauses und besucht Sisko täglich. Sie lieben einander, sind als Kinder unzertrennlich gewesen, haben in einem Bett geschlafen und wecken jetzt viele der alten Erinnerungen, die auch die große Familie einschließen. Sie sind nicht mehr ganz jung, müssen um die 50 Jahre alt sein, genau wird das nicht gesagt. Um zu sterben ist das immer noch zu jung.
Im ersten Augenblick befremdet es, dass Siskos einzige Freude darin besteht, sich ins Raucherzimmer bringen zu lassen, dort auf andere, ebenfalls unheilbar kranke Krebspatienten zu treffen und Wodka zu trinken, den Mirja besorgen und in Saftflaschen umfüllen muss. Dann dämmert einem die schreckliche, unabänderliche Gewissheit, dass weder Alkohol noch Zigaretten irgendetwas an dem Zustand der Kranken verschlimmern können. Dass es im Gegenteil hilfreich sein kann, der Todgeweihen diese kleinen Genüsse zu gewähren. Und ganz nebenbei wird klar, dass Sisko nicht selten das Morphium, das man ihr geben würde, durch den Wodka ersetzt. So trostlos wie sich das anhören mag – und tatsächlich ist Sisko sarkastisch und hat sich keineswegs abgefunden mit ihrem Schicksal -, so gelingt es der Autorin doch, der ganzen Situation eine warme Menschlichkeit zu geben. Es ist nicht leicht zu sterben, und es ist nicht leicht, einem geliebten Menschen beim Sterben zuzusehen. Aber die Schwestern geben einander Liebe und Halt. Sie sprechen über die Vergangenheit, über die anderen Katastrophen in der Familie. Es gibt zahlreiche Brüder, es ist nicht ganz leicht, herauszufinden, wie viele es eigentlich sind. Sie leben in Schweden und in Thailand, sind früh gestorben oder haben Aids. Irgendwie scheint nichts in der Familie gut gelaufen zu sein. Mirja ist wohl noch die stabilste, vielleicht glücklichste unter den Geschwistern. Die Dinge werden in einer schnörkellosen Sprache ausgesprochen, aber ohne Bitterkeit oder falsche Sentimentalität. Trotz des düsteren Themas liest man das Buch ohne schlechten Gefühle. Das ist eigenartig, aber auch tröstlich. Leben und Tod gehören zusammen. Es fällt nicht immer leicht, das zu akzeptieren. Dieses Buch zeigt einem, wie es geht.


Betty Smith, Ein Baum wächst in Brooklyn

Die Originalausgabe erschien 1943 und machte die Autorin sofort berühmt. Jetzt erschien das Buch in neuer Übersetzung. Es beschreibt eine Gesellschaft vom Anfang des 20. Jahrhunderts, in der Einwanderer aus allen Teilen der Welt versuchen, sich in dem „melting pot“ Brooklyn zurecht zu finden und mit der ungeheuren, für uns heute fast unverständlichen Armut irgendwie fertig zu werden.
Im Mittelpunkt steht Francie, die am Anfang des Romans ein kleines Mädchen, am Ende eine fast schon junge Frau von 17 Jahren ist, die ihren Weg hin bis zum College geschafft hat. Dieser Weg eines begabten Kindes aus ärmsten Verhältnissen hin bis zur Schriftstellerin ist offensichtlich autobiographisch. Francies Familie, die Nolans, bestehen aus den Eltern, einer entschlossenen, tatkräftigen Mutter mit österreichischem Familienhintergrund und dem liebenswürdigen, musikalischen Nichtsnutz von Vater, einem irischen Säufer, und dem um ein Jahr jüngeren Bruder Neeley. Francie und Neeley sind unzertrennlich. Die Mutter sorgt dafür, dass beide zusammen eingeschult werden, damit sie zusammen eine größere Kraft gegen jede Art von Angriff bieten können. Eine sehr weise Entscheidung in einer gnadenlosen Welt, in der jeder, egal ob Kind oder Erwachsener, den eigenen Vorteil verteidigt und jede Schwäche eines anderen unbarmherzig ausnutzt. Es gibt wenig Solidarität in dieser Welt, aber jede Menge Fußangeln für ein Verhalten, das nicht mit den geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen dieser Gesellschaft konform geht.
Die Zuverlässigkeit und Klugheit der Mutter und die Liebenswürdigkeit des Vaters sind das Bollwerk von Francie und Neeley gegen alle Widrigkeiten, die ihnen widerfahren, seien es die Gemeinheit der anderen, seien es Hunger und Not, die sie durchleiden müssen, weil der Vater, unfähig zur regelmäßigen Arbeit, das wenige Geld, das er verdient, häufig versäuft. Aber die Liebe aller zueinander hilft alles zu ertragen. Auch den frühen Tod des Vaters. Die eigenwillige, kluge, begabte Francie, die wenig Freunde außerhalb der Familie hat, weil sie lieber liest (und später schreibt), als mit den anderen Mädchen zu spielen, ist dabei von entwaffnender Offenheit und Neugierde. Und sie begreift schon früh, was sie möchte und was gut für sie ist. So setzt sie es mit Hilfe des Vaters, der eine Lüge unterstützt, durch, auf eine bessere Schule zu kommen. Und obwohl sie keinen High School Abschluss hat, wird sie später die Prüfungen zum College bestehen. Sie ist widerstandsfähig wie ihre Mutter und ebenso verantwortungsvoll, auch in ihrem Verhalten gegenüber dem schwächeren Bruder. Anders als bei vielen Familien des Armenviertels, sind die Nolans schon „richtige“ Amerikaner, denn auch Vater und Mutter sind bereits in Amerika geboren. So ist Francies Erfolgsgeschichte tatsächlich eine echt amerikanische. Die hoffnungsvolle Geschichte des Underdogs, der durch Tüchtigkeit seinen Weg nach oben macht. Anrührend.


Andrea Wulf, Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

Als Alexander von Humboldt 1859 starb, neunundachtzigjährig, bekam er ein Staatsbegräbnis, die prächtigste Trauerfeier, die man jemals in Berlin einem Privatmann ausgerichtet hatte. Zehntausende folgten dem Trauerzug. Humboldt galt in den Augen der Zeitgenossen als der bekannteste Mensch der damaligen Welt, nach Napoleon. Und er hat sicher größeren Einfluss auf die Nachwelt gehabt als dieser.
Humboldt wurde 1769 in eine preußische Adelsfamilie geboren. Sein Vater starb früh, und die Mutter sorgte streng für eine ausgezeichnete Erziehung der beiden Söhne, Wilhelm und Alexander. Während Wilhelm, der Ältere, den Erwartungen, die man an ihn stellte, entsprach, diszipliniert und fleißig studierte, schließlich heiratete und in den Staatsdienst eintrat, folgte Alexander nur widerwillig den Vorgaben der Mutter. Lieber als in Studierstuben zu hocken, ging er schon früh immer wieder hinaus in die Natur.
Erst als die Mutter starb, da war er bereits 27 Jahre alt, fühlte er sich frei, das zu tun, was seinen Neigungen entsprach. Von nun an folgte er seinen Interessen, die gänzlich in der Natur, bei den Naturwissenschaften lagen. Sein Forscherdrang führte ihn hinaus in die Welt. Die erste, berühmt gewordene Expedition ging nach Südamerika, wo er die Weiten Venezuelas erforschte, bis zum Orinoco vordrang und später im heutigen Kolumbien und Ecuador zahlreiche Vulkane und zuletzt den Chimborazo erklomm. Auch wenn er nicht ganz bis zum Gipfel (ca. 6500 m) gelangte, sondern auf 5917 m umkehren musste, hatte doch bis dahin kein Mensch eine solche Höhe erreicht. Wenn man liest, welche Strapazen Humboldt auf sich nahm, wie einfach alle Hilfsmittel (an Kleidung, Ausrüstung etc.) damals waren, und wenn man sich vergegenwärtigt, dass  er auf vieles verzichtete, aber die wissenschaftlichen Instrumente bis in größte Höhen mitschleppte, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Humboldt sammelte auf allen Expeditionen Pflanzen, Tiere, Steine, die er mit nahm, um sie zu Hause auszuwerten. Er vermaß Höhen, Luft und Wasser und trug eine unglaubliche Menge an Informationen und Beobachtungen zusammen, die im Grunde jedes fassbare Maß überstieg. Wo immer er hinkam, begeistert er Menschen und fand Gleichgesinnte: Goethe, der ihn hoch verehrte, den amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson, Simon Bolivár, Charles Darwin, der behauptete, ohne Humboldt nie auf seine Erkenntnis der Evolution gestoßen zu sein und viele mehr.
Humboldt war gegen Sklaverei, hat als erster erkannt, dass man nicht ungestraft in das Ökosystem der Natur eingreifen darf, und als er auf dem Chimborazo stand, begriff er, „dass die Natur ein Netz des Lebens und eine globale Kraft ist“ und dass „alles mit allem wie durch tausend Fäden verbunden ist“. Seine Ansätze zur Erforschung der Natur waren interdisziplinär, sein Wissenshorizont unvorstellbar weit.
Seine unglaublich zahlreichen Schriften, zum Teil mit wundervollen, farbigen Abbildungen als Prachtbände erschienen, machten ihn tatsächlich weltweit bekannt und veränderten die Sicht der Menschen auf die Natur. Sein Einfluss war ungeheuer und dauerte bis ins 20. Jahrhundert. Erst die beiden Weltkriege haben diesen Einfluss abgeschwächt.
Ein lesenswertes Buch, das eine Fülle von Informationen vermittelt, nicht nur zu Humboldt selber, sondern auch zu vielen, die er begeistert hat und die seine Ideen weiter getragen haben. Außerdem ist es so spannend geschrieben, dass man meint, selbst an Humboldts Reisen teilzunehmen.


Joachim Meyerhoff, Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

KiWi, 2015, 21,99 Euro, TB 10,99 Euro

Dies ist der dritte Band der Autobiographie von Joachim Meyerhoff und der erste, den
ich gelesen habe. Man kann offensichtlich alle Teile völlig unabhängig von einander
ansehen, man verpasst nichts. Während im ersten Band die Kindheit in der
Jugendpsychatrie in Schleswig beschrieben wird, wo der Autor nicht etwa als Insasse,
vielmehr als Sohn des Anstaltsdirektors gewohnt hat, und der zweite Band über ein Jahr
in Amerika berichtet, wird nun in diesem dritten erzählt, wie es dem junge Mann nach der
Schule beim sogenannten Eintritt ins Leben ergeht.
Joachim schwankt zwischen Zivildienst im Krankenhaus, wobei er sich in seiner
Phantasie als umschwärmter Held im Schwesternheim sieht, und der Schauspielerei. Die
Anziehungskraft der Schwesternheimvorstellung ist zunächst weitaus größer als die
Aussicht auf ein eher mühseliges Schauspielschülerdasein. Das erste Vorsprechen erweist
sich dann auch als nicht gerade vielversprechend. Aus Faulheit hat er lediglich eine der
drei geforderten Rollen vorbereitet. Als man ihm daraufhin die Chance zur Improvisation
gibt, versagt er kläglich. Einzig die Tatsache, dass er die eine Rolle aus Dantons Tod,
unkonzentriert zwar und abgelenkt durch die tatsächliche Trauer um den verstorbenen
Bruder, aber gerade deswegen eindrucksvoll vorbringt, verhilft ihm dazu, tatsächlich
angenommen zu werden. So zieht er nach München, weit weg von zu Hause, und wohnt
bei seinen Großeltern, die alt, wohlhabend und auf aberwitzige Weise skurril sind. Das
Buch lebt aus dem Kontrast dieser beiden unterschiedlichen Welten, in denen Joachim
hin- und herpendelt. Das ist sehr lakonisch und teilweise urkomisch beschrieben.
In der Schauspielschule erlebt Joachim die vielfältigsten Misserfolge, die ihn als so
unbegabt erscheinen lassen, dass sich der Leser unweigerlich fragt, wieso er eigentlich
dabei bleibt, warum er nicht, statt seine Zeit derartig zu vergeuden, ganz etwas anderes
mit seinem Leben anfängt. Am Ende wird das etwas ermüdend, zumal man natürlich
ahnt, dass solche Beschreibungen maßlos übertrieben sein müssen, da der Autor
inzwischen ein gefeierter Schauspieler geworden ist.
Das Leben und die Charaktere der Großeltern sind mit großer Wärme und Liebe
und teilweise ebenfalls ungeheuer witzig beschrieben, dazu am Ende sehr anrührend. Ihr
unglaublicher Alkoholkonsum kann einen zunächst verblüffen und erheitern. Aber auch
hier wird es einem schließlich ein bisschen viel, nicht nur, weil es sich ständig wiederholt,
sondern auch, weil die Auswirkungen mit zunehmendem Alter die beiden Greise
unwürdig werden lassen. Wenn der Großvater zum dritten Mal beim Rotweinholen die
Kellertreppe herunter gefallen ist, ist das nicht mehr wirklich lustig
Wenn man am Schluss des einen Bandes einen anderen zu lesen anfängt, kommt
es einem allerdings so vor, als lese man immer noch dasselbe Buch. Auch das scheint mir
ein Nachteil. Trotzdem, eine über weite Strecken sehr amüsante Geschichte.

Text Link


Robert Harris, München
Heyne Verlag, 22,00 Euro

Ich habe gezögert, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen: ein Politkrimi und dann
auch noch über das Münchner Abkommen von 1938 – da ist doch gar nichts wirklich
passiert. Hitler hat die Engländer und Franzosen um den Finger gewickelt und sich dann
die Tschechoslowakei unter den Nagel gerissen. Was kann man da nach all den
Jahrzehnten, in denen man dieses dunkle Kapitel unserer Vergangenheit bis in den
hintersten Winkel ausgeleuchtet hat, noch Spannendes herausfinden? Denn die
Geschichte umschreiben, das würde Harris doch wohl nicht wollen.
Brauchte er auch nicht. Es gelingt dem Autor, in die bekannten Abläufe eine
Handlung von großer Spannung einzuflechten, die so viel mit der damaligen Realität zu
tun haben könnte, dass man tatsächlich mitfiebert und sich fragt, wie sich die Dinge
entwickeln werden.
Es fängt ganz langsam an mit einem jungen englischen Diplomaten, Hugh Legat,
der in Downing Street Nr. 10 als einer der Privatsekretäre des Premierministers Neville
Chamberlain arbeitet. Legat wird in die Aufregungen vor der erneuten Begegnung
Chamberlains mit Hitler in München einbezogen, umso mehr als ein Unbekannter ihm
ein geheimes Dokument über die tatsächlichen Absichten „des Führers“ zukommen lässt,
die Chamberlains Appeasementpolitik gegenüber Hitler beeinflussen soll. Man glaubt
Legat nicht, dass er den Verursacher dieser Nachricht nicht kennt, und tatsächlich gibt es
eine Verbindung zu dem Deutschen Paul von Hartmann, mit dem er vor Jahren
befreundet war und mit dem er in Oxford zusammen studiert hat. Von Hartmann,
ebenfalls Diplomat und im deutschen Außenministerium in Berlin tätig, ist inzwischen im
Widerstand gegen Hitler engagiert und versucht mit allen Mitteln, die europäischen
Mächte trotz Hitlers scheinbar friedfertiger Haltung von dessen unbeirrbaren Willen zum
Krieg zu überzeugen. Chamberlain ist derjenige, der am aktivsten versucht, Hitler durch
seine Beschwichtigungspolitik – in diesem Fall durch die Zusage in der Sudentenfrage –
von kriegerischen Handlungen abzubringen. Selbst als die Beweise für Hitlers gegenteilige
Absichten auf der Hand liegen, kann niemand daran glauben, weil keiner es glauben will.
Es gelingt Harris, wieder einmal, den Leser durch die genaue Kenntnis der
tatsächlichen Abläufe und Verhältnisse einerseits und eine imponierende psychologische
Darstellung der Befindlichkeiten der politischen Akteure andererseits, eine grandiose
Spannung aufzubauen. Die fiktiven Bemühungen der beiden Diplomaten, unter
Lebensgefahr, ihre unmögliche Mission durchzusetzen, ist so glaubwürdig, dass ich mich
am Ende des Buches durch einen Blick in die Geschichtsbücher vergewissern musste,
dass es sich hierbei tatsächlich nicht um eine historische Begebenheit handelt!

Daniel Kehlmann, Tyll
Rowohlt, 2017 22.95 Euro

Ein fantastischer Roman ist das, nicht nur, weil er Fantasie und Wirklichkeit so in
einander verwebt, dass man nicht recht weiß, wo das eine aufhört und das andere anfängt,
sondern weil er auf fantastische Weise deutlich macht, dass man der Realität des Lebens
im Grunde nicht anders als mit dem Blick des Narren beikommen kann. Die Realität, das
ist in diesem Buch der 30jährige Krieg, die Welt des 17. Jahrhunderts, in der Gewalt,
Hunger, Aberglaube, Grausamkeiten aller Art an der Tagesordnung sind. Als man Tylls
Vater, den naiven, wissensdurstigen Müller mit haarsträubenden Argumenten und unter
der Folter erzwungenen Geständnissen als Hexer zum Tode verurteilt hatte, musste Tyll
da nicht zum Narren werden? Überlebenschancen, Freiheit gar, schien nur der zu haben,
der sich außerhalb einer von Aberglauben, Unwissen und Feigheit geprägten Welt stellte.
Damit begab er sich allerdings gleichzeitig des Schutzes dieser Gesellschaft. Tylls
Freundin Nele ging trotzdem mit ihm, als dieser floh, weil auch sie in der Freiheit des
Vagantenlebens die einzige Chance für ein selbstbestimmtes Leben sah.
Die Namensgleichheit des Tyll Ulenspiegel des Romans mit dem Jahrhunderte früher
herumziehenden, altbekannten Till Eulenspiegel macht jede weitere Erklärung zur Person dieses
Tyll überflüssig. Ein Gaukler kann, ein Narr darf Dinge tun, die andere nicht können und
dürfen. Er erheitert die Menschen, er lehrt sie das Staunen und das Fürchten. In den
Anfangskapiteln, als Tylls Kindheit bis zum Tode des Vaters erzählt wird, ist besonders
beeindruckend, wie es dem von einem wütenden Knecht in mörderischer Absicht vor das
Mühlrad in den Bach geworfenen Jungen gelingt, durch Verstand und schieren Überlebenswillen,
sich unter dem Rad am Boden entlang zu hangeln und so dem sicheren Tod zu entgehen. Dieser
Überlebenswille kennzeichnet ihn auch fortan.
Die Welt des kleinen Dorfes wird durch Beschreibungen der Kriegswirren und
Schlachtfelder abgelöst, wenn ein dicker Graf Tyll aus dem Kloster Andechs an den
Wiener Hof bringen soll, oder das Schicksal des Winterkönigs und seiner englischen
Gemahlin erzählt wird, die den Krieg letztlich ausgelöst haben und am Ende so ärmlich
hausen müssen wie die ärmsten Dorfbewohner. Zeitweise ist Tyll ihr Hofnarr. Schließlich
begegnet er Athanasius Kircher wieder, der ehemals seinen Vater als Hexer erkannt hatte
und inzwischen als gelehrter Wissenschaftler gilt. Die Windigkeit dieses Menschen findet
ihren Gipfel in dessen eigener Behauptung, dass man dort, wo wissenschaftliche Beweise
fehlen, diese durch kluge Erfindungen ersetzen müsse. Lug und Trug überall, auch Tyll ist
ein hervorragender Lügner. Worauf kommt es eigentlich an im Leben? Die im Grunde
willkürlich zusammengestellten Episoden des Romans, die durch die Figur des Tyll nur
vage verbunden werde, zeigen eine aus den Fugen geratene Welt, in der nichts einen Wert
zu haben scheint. Das Leben ist kurz, der Tod allgegenwärtig. Das Angebot der
englischen „Winterkönigin“ am Ende des Buchs, Tyll einen ruhigen Lebensabend am
englischen Hof zu beschaffen, schlägt er aus. So etwas wie Ruhe und Frieden scheint gar
nicht möglich. Tyll hat da eine bessere Idee: er weigert sich ganz einfach zu sterben. Ein
wirklich fantastischer Roman. Brigitte Tietzel

Kazuo Ishiguro, Als wir Waisen waren
Faber & Faber, 2000

Wer Ishiguros wundervollen Roman „Was vom Tage übrigblieb“ gelesen hat, wird gern in
die Geschichte von Christopher Banks eintauchen, der ebenso ruhig und leicht
melancholisch seinen Werdegang erzählt. Er lebt in England, in den 30er Jahren des 20.
Jahrhunderts, hat gerade die Universität abgeschlossen und nennt als sein Berufsziel:
Detektiv zu werden. Das gelingt ihm in der Folgezeit. Er arbeitet sich zu einem der
renommiertesten Meister seines Faches empor. Seine gesellschaftliche Stellung ist sehr
befriedigend. Alles ist sehr britisch, die Leute sind vornehm, liebenswürdig, diszipliniert,
zurückhaltend. Wir erfahren in Christophers rückblickenden Erinnerungen, dass er
zunächst mit seinen Eltern in Shanghai, im „Internationalen Settlement“ wohnte. Dort
spielte er gern mit einem japanischen Nachbarsjungen. Eines Tages verschwindet sein
Vater, dessen Firma in den Opiumhandel verwickelt ist, kurz darauf seine Mutter.
Christopher wird zu einer Tante nach England gebracht, wo er fortan aufwächst.
Zunächst ist unklar, ob die Eltern gestorben sind (Titel!), dann heißt es, sie seien
damals entführt worden. Dieser „Fall“ ist offensichtlich der Grund für Christophers
Berufswahl. So weit, so gut.

Dann erhält er eines Tages einen Brief (es bleibt völlig unklar, von wem und was
darin steht), der ihn veranlasst, nach Shanghai zurück zu kehren, offensichtlich, um den
Fall seiner Eltern zu lösen. Was jetzt folgt, ist gänzlich unverständlich, voller
geheimnisvoller Andeutungen, die den Leser ratlos lassen und zudem so absurd, dass man
geneigt ist, sich „veräppelt“ vorzukommen. Inzwischen sind nämlich die Japaner in
China eingefallen, es herrscht Krieg, und in Shanghai wird geschossen. Christopher sucht
ein Haus, von dem er glaubt, dass dort seine entführten Eltern festgehalten werden (nach
mehr als zwanzig Jahren!). Das Haus befindet sich mitten im Kampfgebiet, alles ringsum
ist zerstört, Leichen liegen auf seinem Weg. Trotzdem sucht er nach dem unbekannten
Haus. Er trifft auf seinen verwundeten japanischen Freund aus Kindertagen, der aber ein
Verräter sein soll und von japanischen Soldaten abgeführt wird, die Christopher
schließlich zurück zum englischen Konsulat bringen. Das Haus hat er nicht gefunden.
Dort besteht er darauf, eine ominöse „Gelbe Schlange“ zu treffen, irgendeinen
Verbindungsmann zu irgendwem, alles völlig nebulös. Der Mann stellt sich als sein Onkel
Philipp heraus, der ihm die einerseits banale Geschichte des Verschwindens seines Vaters
und andererseits die abstruse Geschichte des Verschwindens seiner Mutter erzählt.
Man traut seinem eigenen Verstand nicht, wenn man das liest. Nebenhandlungen
mit einer Frau namens Sarah und andere seien hier erst gar nicht erwähnt, weil sie zu
nichts führen und man sich fragen muss, warum sie überhaupt erzählt werden. Zum
guten Schluss, zwanzig Jahre später, fährt Christopher nach Hongkong, wo er in einem
Heim für Geisteskranke seine Mutter wiederfindet (wie auch immer er darauf gekommen
ist), die ihn aber nicht erkennt. Hier kehrt Ishiguro zu dem ruhigen, nachdenklichen
Erzählstil vom Anfang zurück.
Ein sehr seltsames Buch

Slavenka Draculić
Mileva Einstein oder die Theorie der Einsamkeit

Albert Einstein einmal anders. Nicht mit dem genialen Wissenschaftler wird der Leser konfrontiert, sondern mit dem Menschen, und man weiß nicht, wen man weniger versteht. Natürlich handelt es sich hier umeinen Roman, einen Roman, der aus Sicht von Einsteins erster Frau Mileva das Scheitern dieser Ehe beleuchtet. Und natürlich sind solche Überlegungen subjektiv. Aber die nackten Tatsachen sind doch überliefert, und da zeigt sich Einstein als egoistischer, ziemlich schäbiger, sozial reichlich inkompetenter Mann.

Mileva war ein hochbegabtes Mädchen, dem der Vater gegen alle Regeln das Physik-Studium in Zürich ermöglichte hatte, damit sie, die keine Schönheit war und außerdem ein „Hinkefuß“, sich selber würde ernähren können. Er war sehr stolz auf ihre geistigen Fähigkeiten,die das Äußere vergessen machen sollten. Und auch Albert, den Mileva als jungen, unsicheren Mann in Zürich kennen lernte, sah in ihr zunächst und für lange Zeit die intelligente Partnerin, mit der allein er sich austauschen, die ihm bei seiner Arbeit helfen konnte,die Liebe seines Lebens.

Als Mileva schwanger wurde, die beiden waren noch nicht verheiratet,hätte der Skandal die Berufsaussichten Einsteins zunichte gemacht. Mileva bekam das Kind bei ihren Eltern in Novi Sad, einem Dorf in Serbien, ließ es dort zurück, wo es  wohl noch als Kleinkind starb. Für Albert war das kein Problem, für Mileva ein Schuldtrauma, das sie ihr Leben lang nicht verwinden konnte. Auch die spätere Heirat und die Geburt zweier Söhne haben Mileva nur unzureichend darüber hinweg getröstet. Als sie mit dem ersten Sohn schwanger war, fiel sie durch das mündliche Examen, obwohl ihre schriftliche Arbeit bereits akzeptiert worden war. Niemanden interessierte, warum die brillante Studentin scheiterte. Sie konnte das Studium nicht beenden und war fortan Hausfrau.

Der Umzug nach Berlin erwies sich als Katastrophe. Albert war in seine Cousine Elsa verliebt, und schickte Mileva den berühmten Ehevertrag,ein Dokument beispielloser sozialer Kälte. Mileva ging mit den Kindern nach Zürich zurück, obwohl sie in finanzieller Hinsicht von Einstein völlig abhängig war und dies auch zu Konflikten führte.Damit ist sie nicht wirklich fertig geworden, sie verbrachte Monatemit ungeklärter Diagnose in einer Klinik. Hinzu kam die Sorge um den jüngsten Sohn, der unter Schizophrenie litt und schließlich in eine Heilanstalt eingewiesen wurde. Hier liegt allerdings ein weiterer Grund für Milevas Tragödie. Denn offensichtlich lag die Krankheit in Milevas Familie, und  Mileva selber litt unter schwersten Depressionen. Die Hingabe an ihren Mann war einerseits ihr Halt im Leben, führte aber andererseits zum Verlust ihrer Eigenständigkeit. In dem Roman ist sich Mileva dieser„Schwäche“, wie sie selber es sieht, durchaus bewusst. Das entschuldigt ihren Mann, der ohne jede Rücksicht seiner eigenen Neigung lebte, ohne jedes Verständnis für die Menschen, für die er Verantwortung hätte übernehmen müssen, keineswegs. Ein trauriges Buch.

Klaus Modick
Keyserlings Geheimnis

In diesem Jahr jährt sich der Todestag von Eduard, Graf von Keyserling, einem eher mittelmäßigen Schreiber vom Ende des 19. Jahrhunderts, zum hundertsten Mal, und das mag das neuerliche Interesse an dem ansonsten lange Vergessenen erklären.

Wenn man Klaus Modicks Roman liest, könnte man sich allerdings fragen, ob solches Wiederaufleben tatsächlich gerechtfertigt ist. Keyserling, geistreich und gebildet zwar, aber gefangen in den Fesseln seiner Triebe, ist mir herzlich unsympathisch. Da er keinem Weiberrock ausweicht, kommt es, wie es in der damaligen Zeit sehr häufig kam, er wird von der Syphilis zerstört und scheint schon mit Mitte 40 ein lebender Leichnam. Seine Spielsucht, die in seiner Jugend zu ziemlichen Übertreibungen führte, scheint er dagegen im Alter in den Griff bekommen zu haben, immerhin.

Die Sprünge in Zeit und Ort machen Modicks Roman am Anfang etwas unübersichtlich. Die etwas langatmige Beschreibung der Gesellschaft von Malern und Schriftstellern, in der sich Keyserling in München bewegt, erfordert vom Leser reichlich Geduld, geht es dabei doch weitgehend um Alkohol und geschwätzige Männerkommentare zu Frauen aller Art. Auch der Rückblick auf weitere Amouren in einem Wiener Intermezzo Keyserlings, wirkt etwas bemüht. Der Wiener Aufenthalt liegt zwischen seiner ersten Flucht von zu Hause und einer neuerlichen Heimkehr aus Pflichtbewusstsein, zu dem ihn seine Mutter drängt, weil der eigentlich das Gut verwaltende ältere Bruder seine kränkliche Frau zur Genesung in den Süden begleiten muss. Als er dem Baltikum endgültig den Rücken zukehrt, um fortan in München zu leben, nimmt der Roman seinen Anfang, und es folgen die zunächst verwirrenden Rückblenden auf sein Leben.

Aber dann endlich wird die Geschichte von Keyserlings Geheimnis ausgebreitet, und das ist wirklich großartig und spannend erzählt. Natürlich handelt es sich um einen Frauengeschichte und wenn man auch zunächst in die Irre geführt wird, weil diese anfänglich so banal daher kommt, merkt man doch bald, dass die Dinge nicht so sind, wie sie zunächst scheinen. Auch der Auslöser für Keyserlings Erinnerungen an die Affäre hat es in sich, und man ist am Ende mit dem ganzen leidigen Mann und seinen komplizierten Lebensumständen mehr als versöhnt. Der Blick auf das Leben des baltischen Adels am Ende des 19. Jahrhunderts lässt einen aber kalt. Das ist eine Welt, in der es Herren und Diener gibt, Vorurteile und Borniertheit, deren Untergang man nicht zu bedauern braucht. Modicks Sprache ist geistreich und voller Ironie. Sie trifft den Ton der Zeit sehr genau und charakterisiert die jeweiligen Gesellschaften wunderbar. Trotz allem also: schön zu lesen.

Irmgard Keun
Das kunstseidene Mädchen

Dass man einen Roman von 1932 so liest, als wäre er heute geschrieben, das ist schon einigermaßen ungewöhnlich. Natürlich ist er ganz und gar ein „Zeitroman“, wie es heißt, denn die Handlung spielt vom Sommer 1931 bis zum Frühjahr 1932, also unmittelbar vor der Veröffentlichung. Und die Zeiten damals waren sicher unvergleichlich andere. Aber spielt das eine so große Rolle? Es geht hier um eine junge Frau, ein Mädchen fast noch, 18 Jahre wohl, und deren Befindlichkeiten sind mit psychologischem Scharfblick und Einfühlungsvermögen so wiedergegeben, dass die Zeitumstände nicht wirklich entscheidend zu sein scheinen.

Doris ist frisch und unglaublich lebhaft und direkt, verliebt in das Leben, voll  selbstbewusstem Vertrauen in sich und ihre Möglichkeiten, dabei nicht blind für ihre Nachteile. Die Nachteile sind die Herkunft aus einer Unterschicht, keine wirkliche Ausbildung, keinerlei Bildung. Am Anfang des Buches ist sie als Tippse beschäftigt, eine ungeliebte Arbeit, die sie dann auch bald aufgibt. Die Vorteile scheinen zu sein: gutes Aussehen, „ein fabelhafter rosa Teint“, und eine Frechheit, wie man sie vielleicht nur in so jungen Jahren besitzen kann. Doris schreibt Tagebuch und erzählt ihr Leben selbst. Es ist kein übliches Tagebuch. Wir erleben den übersprudelnden Fluss ihrer Gedanken und den Gang der Ereignisse. Sie lässt sich von Männern einladen, von denen sie Geschenke bekommt. Mit manchen schläft sie, mit anderen nicht.Als sie nach dem Verlust der Arbeit im Theater als Statistin versucht, Fuß zu fassen, wird schnell klar, dass der Weg des Betrugs, den sie einschlägt, um Eindruck zu schinden, sie ins Abseits bringen wird. Sie stiehlt einen Pelzmantel und flieht aus der Provinz nach Berlin. Dort geht es immer so weiter. Sie möchte Karriere machen, „ein Glanz werden“ und sinkt doch immer tiefer in die Misere. Da sie keine Papiere hat, kann sie nicht arbeiten, hat keine Wohnung, wenn ein Mann sie nicht aufnimmt. Allerdings will sie gar nicht mehr arbeiten, nicht diese mühevolle Schinderei. Männer scheinen die Lösung. Als sie fast am Ende ist, sozusagen im letzten Augenblick, wird sie auf der Straße von jemandem aufgelesen und bleibt bei diesem Alexander, in den sie sich tatsächlich verliebt. Sie glaubt sogar, sich für ihn ändern zu wollen, aber der hängt immer noch an seiner Frau, die ihn verlassen hat. Doris macht den Weg frei für die Rückkehr dieser Frau. Sie geht zurück in den Wartesaal Bahnhof Zoo, sucht nach jemandem, der sie aufnehmen wollte. Sie ist sich darüber im Klaren, dass der Weg in den totalen Abgrund, sprich in die Prostitution, nicht weit ist.

Die Sprache ist von einer mitreißenden Frische und Expressivität. Es wird schonungslos klar, welchen Weg Doris nimmt. Man fühlt mit ihr, weil die Ausweglosigkeit so offensichtlich ist. Das liegt einerseits natürlich an der Zeit, in der der Roman spielt, aber sicher auch in der Person, im besonderen Charakter dieser Frau, die nicht aus ihrer Haut kann. Packend!

Kerstin Decker
Meine Farm in Afrika. Das Leben der Frieda von Bülow

Sofort denkt man an Tania Blixen, und der Buchrücken nennt deren Namen auch direkt. Aber das bringt eine falsche Assoziation, denn die beiden Frauen, Tania Blixen und Frieda von Bülow, könnten in ihrem Verhältnis zu Afrika und auch sonst nicht unterschiedlicher sein. Auch scheint der Untertitel in die Irre zu führen. Hier steht keineswegs das Leben der Frieda von Bülow im Mittelpunkt, sondern die ebenso gewagten wie erstaunlich bornierten Unternehmungen des Carl Peters, eines Privatdozenten der Philosophie ohne Anstellung, der Schopenhauer zu widerlegen glaubt; der das Erbe eines reichen Onkels in England mit der Begründung ausschlägt, er sei Deutscher. Ein Mann, der mit eisernem Willen und wider alle Vernunft sich in den Kopf gesetzt hat, deutsche Kolonien in Ostafrika zu erwerben und dem das auch gelingt. Dem nun folgt Frieda von Bülow nach Afrika, mit Ende 20 bereits ein spätes Mädchen, dazu nicht besonders hübsch und von verarmtem Adel. Sie erkennt eine tiefgehende Seelenverwandtschaft mit Peters, und er bestärkt sie darin. Einige schnelle Kurse machen sie zu einer provisorischen Krankenschwester und so reist sie nach Sansibar, wo sich Peters aufhält, im Auftrag des von ihr selbst gegründeten Frauenbundes, der sich um die Gesundheit in den Kolonien kümmern möchte. Sie hofft allerdings auf mehr. Aber die Seelengemeinschaft mit Peters reicht lediglich für eine gemeinsam verbrachte Nacht. Er wird sie nicht heiraten. Frieda wird vom Frauenbund wegen ihres unschicklichen Verhaltens ausgestoßen. Sie kehrt erst nach Deutschland zurück, dann nach Afrika, auf eine kleine Insel, die ihr Bruder einst kaufte, um dort eine Farm zu gründen. Jetzt hat sie diese geerbt. Denn er ist tot. Viele sterben bei dem Versuch, sich in Afrika als Herren aufzuspielen. Auch Frieda scheitert. Und kehrt endgültig zurück.

Der eigentliche Reiz des Buches liegt in der Fülle der Ereignisse, in der Beschreibung der wilden und ungeordneten Eroberungen. In der Konfrontation dieser unterschiedlichen Männer, naiv die einen, die Deutschen, arrogant die anderen, die Engländer, und dann die Einheimischen mit ihrer völlige anderen Sicht der Welt. Es ergeben sich die erstaunlichsten Kombinationen von Freundschaften und Feindschaften bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Hinzu kommt ein Klima, dem nahezu alle Europäer Tribut zollen müssen. Da alle erwähnten Personen tatsächlich gelebt haben und ihre Taten durch Schriften aller Art belegt sind, ist das eine Beschreibung der Eroberungsaktivitäten am Ende des 19. Jahrhunderts, die gerade, weil sie romanhaft daher  kommt, ungeheuer interessant ist, dazu mit Witz und ironischer Distanz geschrieben, eine Freude zu lesen!Frieda von Bülow hat zu ihrer Zeit sehr erfolgreiche Romane geschrieben, „Frauenromane“ wie es heißt, in denen sie ihre unglückliche Liebe und ihre afrikanischen Erfahrungen verarbeitete. Erstaunlicherweise hat Carl Peters alle seine Afrikaexpeditionen überlebt. Noch vor ihrem Tod, 1909, muss Frieda erfahren, dass er eine andere heiraten wird. Aber als „Mann mit den blutigen Händen“ ist er am Ende trotzdem gescheitert.

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